Hallo liebes Forum,
dass ich nicht allein mit meinem "Hadern" bin, habt ihr mit in meinem Vorstellungsthread ja bereits bestätigt. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich mir irgendwie blöd vorkomme, da ich seit Jahr und Tag immer wieder vor denselben Problemen stehe und keine Lösung finde.
Das erste Mal mit BDSM beschäftigt habe ich mich mit... hmh, 14 oder 15. Bis zum meinem ersten "richtigen" Freund mit 18 verging dann kaum ein Abend ohne devote Fantasien vor dem Einschlafen. Manchmal hatte ich das Gefühl zu implodieren... und als ich mit 16/17 in ein Internat gewechselt bin, habe ich mit meinem BDSM-Faible regelrecht kokettiert, Peitschen an die Zimmerwand gehangen und "Bitte, Bitte" über den Gang schallen lassen. Was tut man nicht alles, um individuell zu sein. ^^ Aber ausprobiert habe ich... nichts.
Außerdem stieß ich schnell immer wieder an dasselbe Problem: natürlich habe ich das Internet nach Anregungen durchsucht, mir ein paar Büchlein gekauft und mich mit einigen Gleichgesinnten in meinem Freundeskreis ausgetauscht (aus irgendeinem Grund habe ich Talent dafür, devote Männer zu entdecken... was mir aber auch nicht unbedingt weiterhilft). Aber irgendwann (eigentlich recht schnell) stellt sich bei mir eine gewisse Übersättigung, ja, ich würde es fast Ekel nennen, ein. Vielleicht liegt das einfach daran, dass mir das meiste, was ich im Internet so finde, viel, viel zu weit geht. Oder dass so viel davon auf mich zu... "standardisiert" wirkt. Also lasse ich das Thema schnell wieder fallen und frage mich, ob ich überhaupt "dazugehöre". (Und muss mich noch an meine Top 10 der für mich erregendsten Stellen in Büchern, Filmen & Co erinnern, um zu wissen, dass es wohl doch so ist, und das schon seit Kindertagen.)
Nun gut, das ist das eine Problem.
Das andere ist: ich habe Angst, wirklich große Angst.
Wie oben schon geschrieben, hatte ich mit 18 - reichlich spät für mein Umfeld - meinen ersten festen Freund. Gereizt hat mich an ihm rückblickend wohl tatsächlich die subtil-dominante Ausstrahlung, aber gerade sein restliches Äußeres hat mich z.B. nie wirklich angesprochen und wenn es um Dinge wie Werte und Lebensplanung ging, lagen wir Galaxien auseinander. Allerdings hatte ich zumindest am Anfang einige wenige Male die Chance, meine devote Ader auszuleben. Geredet haben wir jedoch nie darüber und als er die kleinen "Experimente" vom Beginn nicht mehr fortgesetzt hat, habe ich - großer Fehler, ich weiß - mein Glück auf anderen Ebenen gesucht, und mich letztlich in eine völlige emotionale Abhängigkeit ihm gegenüber begeben. Und mir noch eingebildet, dass ich zufrieden damit wäre, von ihm mehr oder weniger brutal genommen zu werden. (Heute wird mir schlecht, wenn ich daran denke...)
Letztlich ist in der Beziehung so alles schiefgegangen, was so schiefgehen kann (wir haben nie über Gefühle oder Bedürfnisse geredet, er hat mich immer öfter angelogen und wie Dreck behandelt, ich habe ihn dafür gehasst, wie sehr er mich verändert hat und ihn gleich mit zwei anderen Männern betrogen, was dann zum Ende der Geschichte wurde) und ich war froh, als ich halbwegs unbeschadet aus dieser Beziehung wieder herausgekommen bin!
Mein jetziger Freund (der einer meiner beiden damaligen Seitensprünge war), mit dem ich quasi sofort nach Ende dieser Beziehung zusammen gekommen bin, ist für mich das völlige Gegenteil... ich finde ihn wunderschön, vertraue ihm, kann ihm alles erzählen, völlig ich selbst sein, teile mein Leben und meine Sorgen mit ihm, und bin mehr als glücklich, mit ihm zusammen zu wohnen. Jeden Tag ist er wie Balsam für meine Seele und ich bade in Glück, wenn ich ihn nur ansehe. Lange ging das in Bezug auf meine BDSM-Neigung gut, denn ich wollte nach den schlechten Erfahrungen aus meiner vorherigen Beziehung erst einmal nichts mehr damit zu tun haben.
Bis jetzt. Keine Ahnung, warum - vielleicht, wegen der Bemerkung eines Freundes vor drei Tagen bezüglich zweier Bücher, die ich ihm ausgeliehen habe -, aber irgendwie ist alles wieder da: die Fantasien, das Brennen, endlich einmal die Bilder in meinem Kopf in der Realität zu sehen; gleichzeitig die Angst und der Ekel. Uns vor allem: ich fühle mich immer und immer wieder noch zu jung dafür. Zu labil, zu durcheinander. Ich habe bereits viele (sexuelle) Wünsche, von denen ich schon ewig träume, dank meines wunderbaren Partners ausleben können. Aber bei diesem einen Punkt zögere ich, mehr als bei allen anderen.
Manchmal denke ich mir, dass ich schon allein deshalb warten sollte, damit ich in höherem Alter noch etwas Neues zu entdecken habe und ich nicht resigniert feststelle, dass jetzt nichts Aufregendes mehr bleibt. ("Aus jungen Huren werden alte Betschwestern"?) Dann wieder, dass es mit irgendwelchen fremden Leuten aus dem Internet eh nichts würde und ich besser darauf warte, dass mir jemand in meinem Umfeld über den Weg läuft.
Aber dann sitze ich wieder völlig unkonzentriert im Hörsaal, weil mich irgendeine Fantasie mitreißt und frage mich, wie lange ich das noch aushalte...
Tja.. langer Text und viele Gedanken. Sicher gibt es keine einfache Antworten auf meine Fragen. Aber vielleicht habt ihr dennoch einen Ratschlag für mich? Wie habt ihr denn überhaupt eure jeweiligen (BDSM-)Partner gefunden? Und wie zentral ist diese Neigung für euer Sexleben? (denn für mich gibt es noch reichlich anderes, das mich erregt... aber wohl nichts so effizient.) Und vor allem: wie geht ihr mit all den widerstreitenden Gefühlen diesbezüglich um? (Oder habt ihr die nicht?)
Viele Grüße (ich hoffe, der ein oder andere tut sich doch meinen langen Text an ^^),
Phaedra



